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Krank im Urlaub: Studie zu Leisure sickness erschienen

IUBH Professorin MöllerUntersuchung im Auftrag der IUBH: 22 Prozent der Befragten leiden an Leisure Sickness – Die Freizeitkrankheit betrifft nicht nur Führungskräfte, sondern zieht sich durch alle Berufsgruppen – Betroffene leiden vermehrt unter Schlafstörungen

Krank am Wochenende oder im Urlaub – dieses Phänomen, Leisure Sickness genannt, ist vielen bekannt. Unklar war bisher, wie viele Personen tatsächlich davon betroffen sind. Eine Untersuchung des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der IUBH (Internationale Hochschule Bad Honnef · Bonn) ergab, dass 22 Prozent der mehr als 2.000 Befragten in ihrem Leben bereits an Leisure Sickness erkrankt waren, somit ist jeder Fünfte von dem Phänomen betroffen.

„Dies ist die erste deutsche Studie, die tatsächlich feststellt, wie viele Personen von dem Phänomen betroffen sind. Dass es jeder fünfte Deutsche ist, hätten wir nicht erwartet,“ so Prof. Dr. Claudia Möller, die an der IUBH die Thematik Leisure Sickness untersuchte. Eine ältere Studie um den Psychologen Ad Vingerhoets – die sich jedoch nur auf die Niederlande bezog – kam vor rund 15 Jahren zu einem viel geringeren Ergebnis.

Die verwendeten Daten beruhen auf einer Online-Umfrage der YouGov Deutschland GmbH, an der 2.075 Personen zwischen dem 30.06.2017 und 03.07.2017 teilnahmen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.

Leisure Sickness ist kein Randphänomen: Alle Berufsgruppen sind betroffen
Erstaunt zeigt sich die Professorin der IUBH auch darüber, dass sich Leisure Sickness durch alle Berufsgruppen zieht: Nicht nur Führungskräfte, sondern auch Selbständige/Freiberufler oder Angestellte klagten darüber, dass sie während des Urlaubs oder am Wochenende vermehrt krank geworden seien. Damit ist widerlegt, dass sich dieses Phänomen allein auf Personen mit Führungsverantwortung beschränkt: Alle Erwerbstätigen nehmen ihre Arbeit „im Kopf“ mit nach Hause.

Erreichbarkeit während der Freizeit
Dass es Berufstätigen immer schwerer fällt, in ihrer Freizeit das Firmen-Smartphone abzuschalten oder auf den Job bezogene E-Mails nicht zu lesen, ist nicht neu. Doch die YouGov-Befragung zeigt, dass diejenigen, die besonders häufig unter Leisure Sickness leiden, eher dazu neigen, während ihrer Freizeit beruflich erreichbar zu sein, sei es per E-Mail oder telefonisch. Ein Abschalten vom Job scheint bei ihnen nicht möglich zu sein.

Work-Life-Balance: Unbezahlte Überstunden werden in Kauf genommen
Auffällig ist, dass Personen, die verstärkt von Leisure Sickness betroffen sind, eher dazu neigen, unbezahlte Überstunden in Kauf zu nehmen. Wenn sie die ihnen übertragenen Aufgaben nicht innerhalb der Vierzig-Stunden-Woche erledigen können, opfern sie ihre Freizeit – ohne dafür einen Lohnausgleich zu erhalten.

Leisure Sickness und der unruhige Schlaf
Eine wichtige Erkenntnis der Befragung ist zudem, dass Personen, die verstärkt an der Freizeitkrankheit leiden, häufiger über einen schlechten und unruhigen Schlaf klagen. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Diejenigen, die nicht an Leisure Sickness leiden, sind häufiger zufrieden mit ihrem Schlafverhalten und gehen morgens erholter zum Job.

Mögliche Maßnahmen
Doch welche Möglichkeiten gibt es, Leisure Sickness vorzubeugen? Wer sich zu viel im Job und in der Freizeit vornimmt, neigt dazu, sich selbst zu stressen. Prof. Dr. Möller rät daher unter anderem dazu, die Ansprüche an sich selbst herunterzuschrauben. Zudem sei Perfektionismus nicht angebracht: Man dürfe keine Angst vor dem Unerledigten haben, da dies sonst zu Unzufriedenheit führe.

6 Tipps und Tricks zur Vorbeugung von Leisure Sickness finden Sie in unserer Themenmappe.

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