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27. Mai 2020, 17:14 UHR |

Was lernt man da eigentlich konkret… im dualen Studium Bauingenieurwesen?

Nicht immer weiß man so genau, ob sich die eigene Vorstellung tatsächlich mit den Inhalten eines Studiums deckt. Im Bauingenieurwesen ist praktische Erfahrung, gepaart mit fundiertem theoretischem Wissen, das A und O, um erfolgreich im Beruf Fuß zu fassen. Unser Studiengangsleiter, Prof. Dr. Thomas Winner, erzählt Dir, welche Inhalte Dich im dualen Studium Bauingenieurwesen genau erwarten.

Prof. Dr. Winner, für den dualen Studiengang Bauingenieurwesen lehren Sie in Berlin und sind nun Studiengangsleiter. Als Bauingenieur blicken Sie bereits auf eine zehnjährige Berufserfahrung zurück. Was sind denn so die typischen Arbeitsbereiche und Tätigkeiten eines Bauingenieurs?

Thomas Winner: Grundsätzlich gibt es im Bauingenieurwesen viele Wahl- und Spezialisierungsmöglichkeiten. Wichtige Bereiche sind zum Beispiel die Tragwerksplanung, die Stadt- und Verkehrsplanung, die Siedlungswasserwirtschaft, die Bauleitung und Bauüberwachung, das Projektmanagement oder auch die Tätigkeit als Gutachter. Von daher passt die englische Berufsbezeichnung des „Civil Engineers“ noch besser, da ein Großteil des zivilen Bereiches von Bauingenieuren geplant wird.

Wie sind die Berufsaussichten in der Branche momentan?

Winner: Ganz klar: Sehr gut. Deutschlandweit besteht ein Mangel an Bauingenieuren. Das hat zwei Gründe: Zum einen gibt es im Bauingenieurwesen, im Vergleich zu anderen Studiengängen, niedrigere Absolventenzahlen. Zum anderen ist die konjunkturelle Lage in der Bauwirtschaft gut, sodass der Bedarf an Bauingenieuren sehr hoch ist. Noch dazu gibt es im Bauingenieurwesen recht viele Fachkräfte, die aus Altersgründen aus dem Beruf ausscheiden. Das lässt sich durch die derzeitige Absolventenzahl nicht annähernd kompensieren.

Woran erkennen Studieninteressierte, ob der Beruf bzw. das Studium zu ihnen passt?

Winner: Wenn sie ein Interesse am Bauwesen sowie an der Bauwirtschaft haben und sich einen vielseitigen und abwechslungsreichen Beruf wünschen, ist das schon einmal eine gute Voraussetzung. Besonders der Abwechslungsreichtum zeichnet dieses Berufsfeld aus, da keine zwei Projekte identisch sind. Darüber hinaus ist es immer eine Hilfe, sich im Freundeskreis und in der Familie Tipps und Ratschläge einzuholen, denn die Menschen, die einem nahestehen, können oft gut einschätzen, welche Stärken man hat und welcher Beruf zu einem passt.

Welche Inhalte lernen Studierende konkret im dualen Studium Bauingenieurwesen? Wie können sie sich den Alltag am Campus vorstellen?

Winner: Die Module sind praxisnah ausgerichtet und bauen nach und nach aufeinander auf. Von langweiligem Frontalunterricht ist man bei uns weit entfernt. Bereits während der Vorlesungen wird den Studierenden der Praxisbezug vermittelt. Unter anderem werden Feldversuche durchgeführt und Exkursionen zur zusätzlichen Visualisierung der theoretischen Inhalte unternommen. Die Vorlesungstage sind demnach sehr abwechslungsreich gestaltet.

Zu den theoretischen Inhalten gehören neben vielen anderen Themen:

  • Wissen um die Baustoffe und deren Eigenschaften
  • die verschiedenen Baukonstruktionen
  • Vermessungstechnik und Anwendung der Vermessungsinstrumente in der Praxis
  • technische Mechanik
  • die Bemessung und Dimensionierung von einzelnen Bauteilen bis hin zu komplexen Tragwerken
  • die Straßen- und Verkehrswegeplanung
  • wasserbau- und siedlungswasserspezifische Kenntnisse
  • baubetriebliche und baurechtliche Aspekte

 

Warum lohnt es sich, Bauingenieurwesen dual zu studieren und wie ergänzt die Arbeit beim Praxispartner das Wissen aus der Hochschule?

Winner: Durch die Verbindung aus Theorie und Praxis lernt man von Beginn an die Aufgabenfelder eines Bauingenieurs kennen und benötigt nach dem Studium eine deutlich kürzere Einarbeitungszeit. Dadurch haben Absolventen die besten Einstiegschancen bei Unternehmen. Beim Praxispartner können die Studierenden beispielsweise schon in der Tragwerksplanung mitarbeiten, bei der Last- und Schnittgrößenermittlung oder der Dimensionierung von Bauteilen. Sie wirken auch bereits bei baubetrieblichen Aufgaben mit, zum Beispiel bei der Bauüberwachung, beim Führen von Bautagebüchern und der Teilnahme an Baubesprechungen. Je weiter das Studium fortschreitet, desto vertiefender ist dann die Mitwirkung an einzelnen Aufgaben.

Welche Missverständnisse oder Fehlvorstellungen laufen Ihnen zum Studium Bauingenieurwesen oder zum Berufsfeld häufig über den Weg?

Winner: Nach meinem Gefühl wissen die meisten schon sehr genau, was sie wollen und was sie im Studium erwartet.

Vielen Dank für das ausführliche Interview.

Prof. Dr. Thomas Winner absolvierte nach dem Abitur zunächst eine Ausbildung zum Zimmermann. Das Studium des Bauingenieurwesens beendete er an der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Berlin als Jahrgangsbester. Mittlerweile verfügt er über eine zehnjährige Berufserfahrung als Bauingenieur im konstruktiven Ingenieurhochbau und in der Projektleitung. Seit 2009 arbeitete er für die CRP Bauingenieure GmbH am Standort Berlin, u. a. an der Grundinstandsetzung und Ergänzung des Pergamonmuseums sowie an diversen Neubauvorhaben. Daneben gehörte auch die Erstellung statisch-konstruktiver Gutachten zu seinem Tätigkeitsfeld. Parallel zu seiner Berufstätigkeit promovierte er am Lehrstuhl Bautechnikgeschichte und Tragwerkserhaltung der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg. Seine Dissertation behandelte die Bautechnikgeschichte der Berliner Museumsinsel.

 

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