21. Dezember 2020, 09:07 UHR |

Was lernt man da eigentlich konkret… im dualen Studium BWL?

Nicht immer weiß man so genau, ob sich die eigene Vorstellung tatsächlich mit den Inhalten eines Studiums deckt. Im Bereich der BWL haben viele Studienanfänger jedoch schon vor dem Studium ein ziemlich genaues Bild von den Inhalten. Doch welche Vorteile hat ein duales Studium BWL? Das erklärt Dir Prof. Dr. Frank Wernitz, Studiengangsleiter für Betriebswirtschaftslehre an der IUBH Duales Studium.

Prof. Dr. Frank Wernitz, Sie haben VWL studiert, promoviert und unterrichten schon seit einigen Jahren. Daneben haben Sie vielfältige Berufserfahrung: als Unternehmer, als wissenschaftlicher Mitarbeiter, bei einer Unternehmensberatung und bei einer Bundesbehörde. Sie kennen sozusagen die Betriebswirtschaft von allen Seiten. BWL ist auch ein sehr breites Feld. Auf welche Tätigkeiten bereitet das duale Studium BWL an der IUBH beispielsweise vor?

Frank Wernitz: Wir sehen allgemein eine Entwicklung in die unterschiedlichsten Berufsbilder, darunter auch etliche neue, die es beispielsweise vor der Verbreitung von Social Media noch nicht gab. Das Studium führt zunächst in die notwendigen Grundlagen der BWL ein. Damit können sich die Studierenden letztlich in allen kaufmännisch orientierten Berufsfeldern engagieren. Mit den Vertiefungen geht eine Spezialisierung einher, die dann auch in Richtung der „klassischen“ Berufsbilder, wie etwa das des Steuerberaters und Wirtschaftsprüfers, führt. Doch zusammengefasst gesagt: Die Grenzen sind nach oben offen. Es kommt hier aus meiner Sicht eher darauf an, dass die Studierenden ihren Weg finden durch den „Dschungel“ der Möglichkeiten. Dabei sind wir als Lehrkräfte natürlich auch immer gefordert, diese Findungsprozesse zu unterstützen und stehen den Studierenden daher auch abseits der Lehrveranstaltungen gern zur Verfügung.

Wie kann man sich den Vorlesungsalltag im dualen Studium BWL an der IUBH vorstellen?

Wernitz: Der Vorlesungsalltag ist zu Beginn des Studiums vielleicht noch recht ähnlich zu dem eines „regulären“ Präsenzstudiums, denn die meisten Themen sind für die Studierenden noch sehr neu, außerdem haben sie gerade erst ihre Tätigkeit beim Praxispartner aufgenommen. Das wandelt sich aber sehr schnell, da praktische Erfahrungen hinzukommen. Die Inhalte der „Vorlesungen“ werden deshalb schnell weniger abstrakt, die Nachvollziehbarkeit der Themen erhöht sich durch die Konfrontation mit entsprechenden Fragestellungen aus der Praxis. Die Lehre ist sehr stark geprägt durch Dialog und Interaktion, niemand liest hier ernsthaft etwas vor, auch wenn einige KollegInnen auch sehr aktiv Lehrbücher produzieren, an Sammelbänden mitwirken oder wissenschaftliche Journalartikel verfassen.

Wie werden die Studierenden auch außerhalb der Vorlesungen unterstützt?

Wernitz: Es gibt praktisch keine nur einmal in der Woche stattfindende „Sprechstunde“ und keine geschlossenen Bürotüren. Die Studierenden werden proaktiv aufgefordert, mit ihren Dozentinnen und Dozenten in einen Dialog zu treten, selbstständig allein oder in Gruppen an Fragestellungen zu arbeiten und auftretende Fragen oder Probleme direkt zu adressieren. Wir haben hier glücklicherweise ein System extrem kurzer Wege, das ist sicher nicht überall so. Es kommt auch mal vor, dass ich am Sonntagabend WhatsApp-Nachrichten von Studierenden beantworte oder an einem Feiertag 90 Minuten zu der Themenfindung einer BA-Arbeit berate. Mir macht das wenig aus, die meisten Fragen lassen sich natürlich auch innerhalb der Woche zu „normalen Zeiten“ klären. Die Tür ist aber eigentlich ständig offen – auch virtuell.

Inwiefern ergänzt die Arbeit beim Praxispartner die Inhalte des Curriculums?

Wernitz: Viele Studierende haben in ihren Praxisbetrieben die Chance, verschiedene betriebliche Funktionen kennenzulernen. Das korrespondiert ideal mit den Fächern des Curriculums, man kann lernen, was einen selbst wirklich interessiert und findet seine Schwerpunkte. Einige Funktionen stellen sich in der Theorie vielleicht auch „langweiliger“ dar, als sie es in der Praxis dann sind. Das erst nach einem Studium mühsam herauszufinden, kostet zusätzlich Zeit – im dualen Studium ist diese Zeit integriert. Auch die Unterstützung durch die Praxisbetriebe spielt eine sehr große Rolle, schließlich bauen diese ihre MitarbeiterInnen auf, unterstützen sie und übernehmen sie auch häufig nach dem Studium. Die Studierenden wiederum können nach dem Abschluss des Studiums Praxiserfahrung in gleicher Dauer vorweisen, das ist sicherlich ein gutes Argument in den Bewerbungen.

Was sind die größten Missverständnisse, die Ihnen zum Thema BWL über den Weg laufen bzw. welche falschen Vorstellungen könnten Bewerber oder Berufseinsteiger mitbringen?

Wernitz: Es gibt sicherlich einige Klischees zum Thema BWL, eines lautet wohl: wer nicht weiß, was er mal machen will, studiert einfach solange BWL. Das kann ich mit meiner Wahrnehmung nicht bestätigen. Für den Studiengang BWL und seine Vertiefungen –  Accounting und Controlling,  Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung – scheint mir dieses Klischee nicht zu gelten, Ausnahmen sind natürlich nicht ausgeschlossen. Die Studierenden sind hier sehr gut über die Inhalte des Studiums informiert und arbeiten häufig passend zu ihren gewählten Vertiefungen in entsprechenden Praxisbetrieben, z. B. in Steuerberatungskanzleien.

Wie sind die Berufsaussichten in der Branche?

Wernitz: Generell sind die Berufsaussichten in den Vertiefungen sehr gut, wir haben weiter oben bereits die Vielfältigkeit der Berufsbilder besprochen. Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung sind quasi „systemrelevante“ Berufsfelder, deren Statuten stark durch gesetzliche Regelungen bestimmt sind. Bedingt durch die Globalisierung und die ökonomische und rechtliche Komplexität multinationaler Konzerne wächst auch die Komplexität der Aufgaben der Wirtschaftsprüfung und mit ihr auch die Branche. Schließlich ist nicht außer Acht zu lassen, dass sich die demografische Entwicklung zugunsten der AbsolventInnen auswirkt, einige sprechen vom „War for Talents“ und beschreiben damit die zunehmende Konkurrenz der potenziellen Arbeitgeber. Diese Entwicklung wird sich aller Voraussicht nach weiterverschärfen. Auch die Digitalisierung von Geschäftsmodellen wird für viele Unternehmen in der nächsten Zeit eine zentrale Rolle einnehmen und hier liegen natürlich auch Chancen für BerufseinsteigerInnen.

Vielen Dank für das ausführliche Interview.

Frank Wernitz studierte Volkswirtschaftlehre auf Diplom an der TU Dortmund und blieb dort zwei Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Makroökonomie. Nach einigen Jahren als Senior Business Analyst bei einer IT-orientierten, international tätigen Unternehmensberatung gründete er ein eigenes Unternehmen in der Medienbranche. Anschließend arbeitete er mehrere Jahre für eine Bundesbehörde, wo er berufsbegleitend promovierte. Seine Promotion schloss er 2014 an der TU Berlin ab und unterrichtete anschließend freiberuflich für verschiedene private und staatliche Fachhochschulen. Seit 2016 ist Frank Wernitz voll an der IUBH tätig. Mittlerweile ist er nicht nur Studiengangsleiter für BWL im dualen Studium, sondern auch akademischer Standortleiter in Dortmund.

 

 

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