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05. Juni 2014, 10:42 UHR |

Sommerzeit ist Festivalzeit. Aber bitte nachhaltig!

Neue Herausforderungen für Eventmanager: Nachhaltige Musikfestivals

Das Gespräch mit Dieter Jäger, Studiengangsleiter für Eventmanagement an der IUBH Bad Honnef, mit dem Deutschlandfunk finden Sie hier.

Mehrere hunderttausend Musikbegeisterte besuchen in diesem Jahr wieder Festivals wie Rock am Ring, Hurricane und das MELT! Festival. Wo so viele Menschen für mehrere Tage auf engem Raum zusammenkommen, bleibt das nicht ohne Auswirkungen auf die Umwelt. So produziert ein Musikfestival mittlerer Größe mit etwa 40.000 Besuchern inklusive An- und Abreise ca. 2.000 Tonnen CO2-Äquivalent. Zum Vergleich: Der CO2-Ausstoß je Bundesbürger lag im Jahr 2011 bei durchschnittlich elf Tonnen.

Trend zu nachhaltigen Veranstaltungen

Bei vielen Festival-Veranstaltern hat daher in den letzten Jahren ein Umdenken stattgefunden. „Wir beobachten einen starken Trend zu mehr Nachhaltigkeit bei Musikfestivals“, bestätigt Dieter Jäger, Leiter des Studiengangs Eventmanagement an der IUBH Campus Studies in Bad Honnef bei Bonn. „Die Veranstalter haben bereits verschiedenste Maßnahmen etabliert, vom Ökostrom für die Bühnentechnik über ein regionales Catering bis hin zur Komposttoilette.“ Dies verändert auch die Anforderungen an die Organisatoren großer Veranstaltungen. Anders als früher müssen Eventmanager heute die Fähigkeit mitbringen, Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu planen und umzusetzen.

Veränderte Anforderungen im Eventmanagement

Eventmanager werden in ihrer Ausbildung zunehmend für das Thema Nachhaltigkeit sensibilisiert. „Aufgrund der großen Bedeutung dieses Themas für die Berufspraxis haben an der IUBH Campus Studies in Bad Honnef Eventmanagement-Studierende die Möglichkeit, sich im Bereich ‚Sustainability‘ zu spezialisieren“, so Jäger. „Dabei geht es nicht unbedingt darum, die Welt zu retten. Die Studierenden lernen, dass eine nachhaltige Ausrichtung von Veranstaltungen sowohl wirtschaftlich als auch strategisch relevant ist, weil sie ein wichtiges Positionierungsmerkmal für Unternehmen und Organisationen darstellt und unnötige Kosten vermeidet.“ Ein Beispiel hierfür ist die Müllvermeidung im Catering. Mehrweggeschirr und Pfandsysteme entlasten nicht nur die Umwelt, sondern reduzieren auch die Entsorgungskosten. „Für uns Studierende ist es sehr wichtig, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, denn es spielt in der internationalen Eventindustrie eine immer größere Rolle“, erläutert IUBH-Studentin Nina Mührer. „Das nachhaltige Denken muss sich in den Köpfen der nächsten Generation von Eventmanagern etablieren, und sie müssen ihre Möglichkeiten kennen, um erfolgreich grüne Veranstaltungen umzusetzen.“

Auch im Sommer 2014 geht der Trend zum „grünen Festival“:

  • Rock im Park ruft bereits zum sechsten Mal den Wettbewerb „Umwelt Rocky“ für den saubersten Campingplatz aus.
  • Das Hurricane Festival  richtet eine Fahrradgarderobe ein: Wer mit dem Fahrrad anreist, kann es auf einem rund um die Uhr bewachten Platz abstellen.
  • Das Deichbrand Festival stellt den Bewohnern des „Green Camps“ Solarkocher zur Verfügung.

Auszeichnungen und Siegel

Ob ein Festival Wert auf Nachhaltigkeit legt, erkennen Besucher beispielsweise an folgenden Auszeichnungen und Siegeln:

  • The Green Operations Award von Festival Awards Europe ist eine internationale Auszeichnung für Festivals, die innovative Nachhaltigkeitsmaßnahmen umsetzen oder ihr Event kontinuierlich nachhaltiger gestalten.
  • Gütesiegel der Sounds for Nature Stiftung: „Sounds for Nature Festivals“ müssen bestimmte Umweltkriterien erfüllen. Das Siegel ermöglicht Veranstaltern, ihr Festival Schritt für Schritt umweltverträglicher zu gestalten. Es ist ein Jahr gültig.
  • ISO 20121:2012 „Event Sustainability Management Systems": Der internationale Qualitätsstandard unterstützt Veranstalter, Eventmanager und Dienstleister dabei, mögliche negative Auswirkungen ihres Events zu identifizieren und zu reduzieren sowie positive Ansätze auszubauen.

Ganzheitliches Nachhaltigkeitskonzept

Dem heutigen Nachhaltigkeitsverständnis liegt das Drei-Säulen-Modell zugrunde. Es berücksichtigt ökologische, ökonomische und soziale Aspekte. Die meisten umgesetzten Maßnahmen liegen derzeit noch im Bereich der ökologischen Nachhaltigkeit. Ein Festival, das das Thema bereits recht ganzheitlich angeht, ist das MELT! Festival. Die Veranstalter starteten im Jahr 2010 die Umweltoffensive „M!ECO“. Neben zahlreichen Umweltmaßnahmen spenden sie beispielsweise übrig gebliebene Lebensmittel an die örtliche „Tafel“. Außerdem unterstützen sie die Kampagne „Love your Tent“: Auf Wunsch besprühen Mitarbeiter die Zelte der Besucher mit dem Festival-Logo. Ziel ist, dass diese ihr Zelt als Erinnerung wieder mit nach Hause nehmen. Denn auf den zehn größten Festivals Europas bringt etwa die Hälfte der 1.000.000 Besucher ein Zelt mit. Jedes fünfte Zelt bleibt nach dem Festival zurück. Die Kosten für die Entsorgung belasten nicht nur die Veranstalter, sondern müssen über die Ticketpreise auch an die Besucher weitergegeben werden. Es ist daher im Interesse aller, wenn Veranstaltungen möglichst nachhaltig umgesetzt werden.

Festival-Kalender

Rock am Ring vom 5. bis 8. Juni, Nürburgring (Eifel)
Rock im Park vom 6. bis 9. Juni, Nürnberg
Hurricane Festival vom 20. bis 22. Juni, Scheeßel
Southside Festival vom 20. bis 22. Juni, Neuhausen ob Eck
Summerjam vom 4. bis 6. Juli, Köln
Deichbrand vom 17. bis 20. Juli, Cuxhaven
Melt! vom 18. bis 20. Juli, Gräfenhainichen
Wacken Open Air vom 31. Juli bis 2. August, Wacken
Nature One vom 1. bis 3. August, Pydna (Kastellaun)
Highfield Festival vom 15. bis 17. August, Großpösna

Karrierewege in die Eventbranche

Studium Eventmanagement: Absolventen von Eventmanagement-Studiengängen übernehmen die Anleitung in der Konzeptions- und Vorbereitungsphase, während der Durchführung und beim Projektabschluss von Veranstaltungen. Derzeit gibt es in Deutschland etwa 50 Studienangebote. Der Bachelor-Studiengang Internationales Eventmanagement der IUBH, der bei einer abgeschlossener Ausbildung auch im „Fast Track“-Programm belegt werden kann, ermöglicht eine Spezialisierung im Bereich „Sustainability“. Er ist der einzige durchgehend englischsprachige Bachelor-Studiengang für den Eventbereich in Deutschland und wurde mit dem FIBAA-Premiumsiegel ausgezeichnet.

Ausbildung Veranstaltungskaufmann/-frau: Veranstaltungskaufleute konzipieren und organisieren Veranstaltungen. Sie arbeiten in Eventagenturen, Messegesellschaften, Kultureinrichtungen oder Hotels mit Veranstaltungsbetrieb.