18. September 2020, 11:31 UHR |

Tourismus-MeetUp – Raus aus der Krise, Hamburg hilft – auch sich selbst

Am 18.08.2020 fand in Hamburg das Tourismus MeetUp: Raus aus der Krise, Hamburg hilft – auch sich selbst - statt.  Eingeladen zum interdisziplinären Austausch hatte die IUBH, Moderator der Veranstaltung war Prof. Dr. Andreas Thams, Professor für Tourismusmanagement an der IUBH Duales Studium in Hamburg. NORD WIRTSCHAFT sprach mit Prof. Thams über die Veranstaltung und darüber, wie es mit dem Tourismus in Hamburg weitergeht.

Welche Erkenntnisse haben Sie gewonnen?

Thams: Es war eine spannende und interessante Runde, mit vielen positiven Ergebnissen und Ausblicken für die Zukunft der Tourismusbranche in und um Hamburg. Auch ist es das erste Mal, dass wir eine hybride Veranstaltung in dem Format starten mussten und wollten, eine Erkenntnis, mit der ich so nicht gerechnet habe: ein digitales Treffen in großer Runde, mit Referenten, welche vor Ort unter Beachtung der Hygienevorschriften zusammenkommen durften.
Die Tourismusbranche entwickelt sich gerade rasant weiter und es gibt, bei aller Besorgnis über die weitere Entwicklung, vereinzelte Silberstreifen am Horizont. Die Schockstarre ist weitestgehend vorüber, aber es bleibt weiterhin unheimlich viel zu tun. Vergleicht man beispielsweise eine große Reederei wie MSC Cruises mit einem mittelständischen Unternehmen wie Barkassen Meyer, die beide in unserer Veranstaltung anwesend waren, stellt man schnell fest, dass die Anforderungen an politischer Unterstützung ähnlich, aber in der Detaillierung doch recht unterschiedlich sind. Im Rahmen unserer Veranstaltung war der Dialog mit dem Hamburger Finanzsenator Andreas Dressel hilfreich und sehr konstruktiv, um die Unterschiede auch noch einmal deutlich zu machen. Am Ende möchte die Politik in Hamburg so viele Unternehmen wie möglich durch diese wirtschaftlich schwierige Zeit bringen.

Welche Maßnahmen haben Hotels und Kreuzfahrtanbieter ergriffen, um schnellstmöglich wieder wirtschaftlichen Spielraum zu erlangen?

Thams: Die Kreuzfahrtbranche startet wieder, aber natürlich ist es ein langer Weg zurück zum alten Niveau vor der Krise. Die Branche wird hier in den nächsten Monaten sicherlich noch weitere Unterstützung der Politik brauchen. Auch kleinere Maßnahmen, wie das nun wieder erlaubte Angebot von Buffets in den Hotels, Restaurants und Herbergen, helfen dabei schon, um das Angebot insgesamt für die Kunden wieder attraktiver zu gestalten. Es bedarf also weiterhin eines engen Dialogs zwischen Politik  und Tourimusbranche, um Maßnahmen zielgerichtet zu definieren.Dazu konnten wir mit dem Tourismus MeetUp einen Teil dazu beitragen. Die Grundaussage von Andreas Dressel ist klar: lieber jetzt Geld in die Hand nehmen und Unternehmen retten, sie durch die Krise begleiten als im Nachgang wieder etwas Anderes aufbauen zu müssen.

Mit welchen Problemen hat Hamburg und die Branche spezifisch zu kämpfen?

Thams: Der Tourismus in Hamburg hängt sehr stark von den Quellmärkten der DACH-Region ab, während die internationalen Ankünfte, insbesondere über die europäischen Märkte hinaus, in der Vergangenheit immer ausbaufähig waren. Dieser Kundenmix wird in Zeiten von Corona nun zu einer echten Stärke: Hamburg im internationalen Kontext bricht hier also weniger Geschäft weg, während die DACHMärkte zu dem Faktor des deutschen Städtetourismus geworden sind. Das ist anders als in vergleichbaren anderen großen deutschen Städtedestinationen wie Berlin oder München: hier entfällt schmerzlich der Tourismus aus dem Mittleren Osten, aus Russland, Asien und den USA. Gleichzeitig ist der Arbeitsmarkt in der Tourismusbranche mittlerweile sehr herausfordernd. Da braucht man sich nichts vorzumachen. Es sind leider momentan sehr viele gute, qualifizierte und erfahrene Fachkräfte in der Situation, dass ihre berufliche Zukunft mehr als unsicher ist. Einige von ihnen werden sich umorientieren müssen. Hier können entsprechende (Weiter-)Bildungsangebote, auch die der IUBH Internationalen Hochschule, eine erste Plattform sein, um dies zu ermöglichen. Wir als Hochschule haben derzeit speziell kostenlose Weiterbildungsangebote für Leute in Kurzarbeit.
Ebenso steht der Veranstaltermarkt massiv unter Druck. Ich glaube, es wird einen neuen Touristen nach der Corona-Krise geben. Dieser neue Tourist weiß sehr genau, was er will: Die Reise soll nachhaltig sein, während der Reisende trotzdem preisgetrieben bleibt. Die Erlebnisse im Urlaub sollen sehr individuell ausgestaltet sein – Corona ist hier letztlich ein Beschleuniger für Präferenzen der Kundenvorstellungen.
Das Thema Nachhaltigkeit kommt nun ungebremst in voller Härte auf uns zu. Viele Personen in verantwortungsvollen Positionen im Tourismus bemerken dies gerade und müssen entsprechend handeln und umdenken. Die Luftfahrtindustrie in Hamburg hat sich hier bereits Gedanken gemacht. Wenn sie das Thema Nachhaltigkeit beleuchten, gibt es hier beispielsweise gute und vielsprechende Ansätze für die Umwandlung von nachhaltig gewonnener Energie in Wasserstoff oder sogar künstlichem Kerosin. Hier gibt es einen engen Schulterschluss zwischen Politik, Industrie und Wissenschaft. Die Luftfahrt aus Hamburg heraus soll so nachhaltig gestaltet werden. Daran wird geforscht und gearbeitet, und die ersten technischen Konzepte stehen fest – trotz der Hürden, die es in dem Bereich noch zu überwinden gilt. Das hat wirklich Vorbildcharakter und davon braucht es noch mehr!

Macht uns diese Krise auch und besonders im Tourismusbereich noch digitaler? E-Check In gab es ja schon vorher, welche Ansätze werden nun noch mehr umgesetzt und genutzt?

Thams: Digitalisierung und ihre Entwicklung wird viel weiter und schneller fortschreiten und das birgt viele Chancen und Potenziale. Bei der Veranstaltung am 18.8.2020 waren sich alle Anwesenden einig, dass die Digitalisierung eine wunderbare Möglichkeit ist, die wir vorher so noch gar nicht in der Form angedacht und wenn, dann nicht so konsequent umgesetzt haben. Meine persönliche Einschätzung ist, dass noch mehr Bereiche „touchpointless“ werden, aber der Wunsch nach gutem Service am Gast weiterhin bestehen wird.

 

Das Originalinterview findet sich auf: www.nordwirtschaft.de/tourismus-meet-up